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günter wasserberg 2007



BILD DER ERDE heißt das Projekt von Ekkeland Götze, dargestellt mit dem Mittel der Terragrafie, eine Technik, die unverwechselbar mit seinem Namen verbunden ist. Copyright.


Bild der ERDE, nicht Bilder der Erde, insofern objektiv, weil der Künstler zurücktritt und sich in den Dienst einer Sache stellt: ein authentisches Bild - Erde zu schaffen, indem er an ausgewählte Orte fährt, an die Berliner Mauer, in ein Konzentrationslager, in den Sinai, auf die Zugspitze, nach Island, "Go West" in die USA, an dem Amazonas, zu den Maori und jetzt jüngst nach Australien. Wörtlich "reine, unmanipulierte Erde" druckt Götze nach einem von ihm selbst entwickelten und standardisierten Verfahren, das er Terragrafie nennt, mitgebrachte Erde "auf Papier, freskal auf frischen Kalkmörtel oder andere Unter-gründe".


Der Betrachter ist darauf angewiesen, dem Autor dieser Werke zu vertrauen, denn äußerlich ist an der von ihm abgebildeten Materie, an dem Produkt seiner Schöpfung, dem Kunstwerk, nicht abzulesen, woher es stammt, und was es zu dem macht, was es sein soll: Bild der ERDE.


Aber wäre – Konjunktiv! - dies letztlich nicht auch egal? Denn seine Bild-Werke wirken unabhängig vom Ursprung seiner von ihm gewonnenen irdenen Erde.


Stellen wir uns - vor jedes einzelne Bild und lassen "es" – objektiv – wirken:


Ich brauche nicht nachzulesen, woher "es" stammt, aus welcher Erde, aus welchem Erdteil, welche Erde "es" mir zeigt, um Wirkung zu spüren. Impression. Irdene Farben, harmonisch aufeinander abgestimmt, nicht künstlich erzeugt, wohltuende, meditative Ruhe. Gewissermaßen auf den Punkt gebracht. Fixiert in Form und Farbe. Irden natürlich. Natur.


Aber andererseits wäre es fatal und einseitig, banal und ginge an der Sache vorbei, würden wir darin, in seiner von ihm zusammengetragenen, dargestellten Erde, nur eine Beliebigkeit, einen Zufall sehen wollen. Denn einzig der postulierte Befund macht die quadratisch in Form gebrachte Erde zu dem, was sie ist: objektiv ERDE. Deshalb auch legt Götze so viel Wert darauf, uns, den Betrachtern, genauestens darüber Auskunft zu geben, woher seine Erde stammt. Mathematisch genau und minutiös listet er die einzelnen Fundorte auf. Ein Sammler, der eine Idee hat, ein Konzept verfolgt.


Und damit werden seine Erd-Objekte Teil eines Größeren, eben seines Projektes "Bild der ERDE". Bild von Schöpfung und Geschöpflichkeit.


Und so beginnen diese einzelnen Bild-Darstellungen zu leben, fangen sie an zu erzählen, rufen Bilder in uns ab, wecken Assoziationen und Sehnsüchte, sie laden ein zu einer Reise des Ichs in unsere verschüttete Innenwelt, sie machen uns bewusst, führen uns vor Augen unsere Geschöpflichkeit und wecken in uns den Schöpfer-Geist. Creatio ex homino.


Kinder spielen fasziniert mit Klackamatsch. Sie lieben es, in und mit feuchter Erde spielerisch-unbefangen umzugehen. Sie sind Schöpfer. Wie im Rausch, sich einschmieren. Naiv-unbekümmert, lustvoll unschuldig.


Götze - welch ein Klangbild seines Namens, zumal in diesen kirchlichen Räumen! - weckt Schöpfer-Geist. Er will bewahren, mahnen und uns erinnern, Kind zu sein, zu staunen wie ein Kind. Er erinnert uns daran, Teil von Schöpfung zu sein, und er ermutigt uns, selbst zu Schöpfern zu werden: 'Und siehe, es ward gut', heißt es für die, denen die Schrift heilig ist.


Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und siehe, es ward gut. Daran zu erinnern, gerade in Zeiten globaler Krisen unserer Umwelt, tut Not und ist heilsam. Keine Vereinnahmung, sondern ein Standpunkt.


Ekkeland Götzes Darstellungen sind bildlos-bildhaft. Und so bin ich frei, selbst zu schaffen, kreativ zu werden mit meinen Sinnen, zu interpretieren und mich hineinzubegeben in meine eigene Bilderwelt. Innen wie außen. Kein Vorgegebenes 'Du sollst', 'Du musst', 'So ist es zu verstehen', stört diese innere Kommunikation mit seinen Bildern. Free floating mit dem Abdruck von in Struktur gebrachter ERDE. Keine bildhafte Darstellung von Schöpfung - wie etwa das Goldene Kalb - tritt störend zwischen das Auge des Betrachters und dem Erd-Bild. Nichts lenkt ab, sondern ich kann alle Kraft und Energie der Poesie meines Lebens, meinem Traum vom Leben schenken.


Mich sehnt und frommt.


Gewiss, wir sind jenseits von Eden, aber in uns bleibt dieser Traum nach ursprünglicher Geborgenheit, nach einer ungebrochenen Naivität des Staunens, nach einer kindlichen Neugier, ohne Tränen.


Geschichten schaffen. Geschichten erzählen. Dazu lädt Ekkeland Götzes Lebensprojekt "Bild der ERDE" ein. Begeben wir uns nun auf unsere eigenen irdenen Wahrnehmungs- und Entdeckungsreisen.



Einführung von Rektor Dr. Günter Wasserberg in das Ausstellungswerk von Ekkeland Götze anlässlich der Vernisage von BILD DER ERDE im Theologischen Studienseminar der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Pullach am 25.9.2007