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atlantis - das stierspiel



Das Stierspiel

aus dem Neuen Palast von Knossos, spätminoisch I, um 1500 v.Chr.


Der Fries, zu dem als eines der Bilder das hier beschriebene Fresko gehört,stellte die verschiedenen Phasen des Stierspiels dar. Er ist einschließlich des Rahmens insgesamt 80 cm hoch und schmückt einen Raum über dem "Hof mit dem Steinausguss" des Ostflügels des Neuen Palastes. Der die einzelnen Felder an allen vier Seiten umgebende Rahmen, ahmt buntfarbige Steine nach. Der Grund in jedem Tableau war abwechselnd gelb und blau.

Da bei Fresken in der Malerei die rote Farbe für die Haut der Männer, die weiße für die Frauen eine fast feststehende Regel ist, können wir hier mit Sicherheit feststellen, dass an den Stierspielen Jünglinge und Mädchen teilnahmen, die sonst einander sehr ähnlich wiedergegeben sind. Auf dem Fresko kann man sehen, dass die jungen Sportlerinnen mehrere Paare von Armbändern, Halsbändern, zweifarbige Lendenschürze und manchmal blaue und rote Bänder um die Stirn tragen. Ihre Frisuren sind sehr gepflegt. Es ist bezeichnend, dass die jungen Mädchen vollgeschmückt dem Todesspiel begegneten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es junge Prinzessinnen waren.

Man kann sich den Vorgang des Stierspiels wohl so vorstellen: ist es dem Stierspieler gelungen, den Stier an den Hörnern zu packen, so bleibt er für einige Zeit an ihnen, sie fest ergreifend. Das Tier ist dadurch überrascht und bleibt zunächst unfähig, sich ganz frei zu bewegen. In diesen wenigen Augenblicken gelingt es dem Mitspieler, über den Rücken des Stieres seinen akrobatischen Sprung zu vollenden.

Man beachte bei dieser Darstellung, dass das an den Stierhörnern hängende Mädchen mit zwei rechten Händen das linke Horn des Stieres packt. Man beachte die Agonie des Momentes und wie der nach oben gewandte und halbbedeckte Augapfel die Spannung des Mädchens zum Ausdruck bringt.

Die Frage, ob bei den Stierspielen ein und dieselbe Person die Hörner des wütenden Tieres ergriff, dann auf dessen Rücken und endlich auf der Erde hinter ihm den Salto mortale vollendete, bleibt unbeantwortet. Die Handlung im kretischen Stierspiel bleibt für uns noch dunkel. Es waren offensichtlich immer waffenlose Spiele;

niemals ist das Töten des - vielleicht heiligen - Tieres dargestellt.


(Spyridon Marinatos: Kreta, Thera und das mykenische Hellas, München 1973)