aktuell
terragrafie
projekte
stromboli
jallikattu
vulkane
sumatra
segantini
puja
maka wakan
menabe
mission
london - paris
reis
arles (van gogh)
rarámuri
pirosmani
europa
songlines
terroir
shoa
sinai
eisfeuer
go west
amazonas
kailas
afrika
aotearoa
london
amberger gelb
wein
salz
l'ocre
elefanten im schnee
todesstreifen
atlantis
die terragrafien
das konzept
die karte
santorini
das stierspiel
das buch moses
krakatoa
das essay
das buch
die edition
das werk
dresden
værøy
terra di siena
die alpen
die berliner mauer
99 fotografien
installationen
ausstellungen
bücher
editionen
texte
galerien
links
vita
kontakt - impressum

atlantis - krakatoa



Dokument einer Eruption


20. Mai 1883

Mehrere unterschiedlich heftige Erd- wie Seebeben werden im Bereich der Sunda-Straße zwischen Java und Sumatra, Indonesien, registriert, nicht aber als Vorboten für einen bevorstehenden Vulkanausbruch gedeutet.


26. August 1883

Um 1.00 Uhr Ortszeit, erschüttern mehrere Eruptionen das aus vulkanischen Gesteinen aufgebaute Massiv der westindonesischen Insel Krakatoa. Augenzeugen berichten von einer etwa 25 km aufragenden Rauchsäule über dem Krater des Perbuwatans, dem Vulkankegel auf Krakatoa.


Während der Nacht und des anbrechenden Tages werden stets neue, in ihrer Heftigkeit unterscheidbare Eruptionen von den Nachbarinseln Java und Sumatra wahrgenommen. Krakatoa selbst ist unbewohnt, nur gelegentlich legen Fischer und Holzfäller an den steilen Küstenufern an. So lässt sich auch erklären, dass die seit dem Frühjahr 1883 sich verändernde Aktivität nicht rechtzeitig in ihrem Ausmaß zur Kenntnis genommen werden konnte. So beginnt, nach einem nahezu zweihundert Jahre anhaltenden Ruhestadium, eine der größten Naturkatastrophen der jüngeren Menschheitsgeschichte.


Um 9.58 Uhr Ortszeit kommt es zum Hyperparoxysmus, zum immensen Ausbruch, auf der Insel Krakatoa. Die Detonation ist so gewaltig, dass sie selbst auf der rund 5000 Kilometer entfernt liegenden Insel Rodriguez im Indischen Ozean, nahe der Ostküste Madagaskars, noch zu hören ist. Aber auch auf Sri Lanka, den Philippinen (Manila) und in Zentralasien wird der eruptive Knall wahrgenommen. Niederfrequente Wellen (außerhalb des menschlichen Hörvermögens) werden weltweit aufgezeichnet. Im 5 863 Kilometer entfernten Tokio steigt der Luftdruck um 1,45 Millibar. Asche und Bimssteine werden bis zu 5 km hoch in die Atmosphäre geschleudert, verweilen nur für kurze Zeit und fallen, bedingt durch ihr relativ hohes spezifisches Gewicht, als Glutaschewolken auf die Insel zurück, wo sie die Hänge des Perbuwatans zum Meer mit hoher Geschwindigkeit hinab schießen. Bis zu 1.300 Kilometer Distanz lassen sich die Auswurfmassen nachweisen. Durch die Entleerung der unter dem Vulkan gelegenen Magmenkammer kommt es zum Einbruch und zur Zerstörung des größten Teils der Insel. Ausgelöst durch die Eruptionen und die Implosion vernichten Tsunamis, gigantische Flutwellen, mit einer Wellenkammhöhe von etwa 40 Metern 36 417 Menschenleben an den Küstenstrichen der nächstliegenden Inseln Sumatra und Java. An Pegeln selbst so entfernter Orte wie der Biskaya, 17 000 km vom Katastrophengebiet entfernt, werden die erzeugten Flutwellen registriert. Über Monate hinweg sind spektakuläre Sonnenuntergänge zu beobachten, deren Ursache aus den in die Atmosphäre geschleuderten Staub- und Gasmassen resultiert. Mehrere Jahre sinkt die Durchschnittstemperatur auf der Nordhalbkugel um 0,5 bis 0,8 Grad Celsius unter die Normaltemperatur, in Frankreich wird sogar ein Absinken von 10 Grad Celsius für drei Jahre beobachtet. Das Gesamtvolumen des geförderten vulkanischen Materials wird auf 150 Kubikkilometer geschätzt. (Axel Kraus)