aktuell
terragrafie
projekte
stromboli
jallikattu
vulkane
sumatra
segantini
puja
maka wakan
menabe
mission
london - paris
reis
arles (van gogh)
rarámuri
pirosmani
europa
songlines
terroir
shoa
sinai
eisfeuer
go west
amazonas
kailas
afrika
die erdbilder
waterholes
lapalala
zulu
simunye
gold
die reise
das werk
aotearoa
london
amberger gelb
wein
salz
l'ocre
elefanten im schnee
todesstreifen
atlantis
dresden
værøy
terra di siena
die alpen
die berliner mauer
99 fotografien
installationen
ausstellungen
bücher
editionen
texte
videos
galerien
links
vita
kontakt - impressum

afrika - die reise

EKKELAND GÖTZE

Kurze Beschreibung der Reise nach Südafrika und der dort realisierten Projekte


Anfang Februar kam ich frühmorgens in Johannesburg an. Die Familie Cianfanelli nahm mich unter ihre Fittiche und ließ mich vom Flughafen abholen. Luca Cianfanelli, der mich in München bestürmt hatte, ein Projekt in Afrika zu versuchen, war schon eine Woche vorher nach Hause geflogen und hatte versucht, Kontakte zu den verschiedensten Leuten herzustellen, die mir beim Verwirklichen der ins Auge gefassten Projekte helfen könnten. Sofort nach meiner Ankunft ging die Telefoniererei weiter.


Bei den Vorbereitungen zu dieser Reise war mir klargeworden, dass Afrika der Kontinent der Tiere ist und nirgendwo sonst auf der Welt so viele leben. Deshalb sollte der Hauptteil des entstehenden Werkes durch Tiere bestimmt sein. Da Elefanten die größten lebenden Landsäugetiere sind und auch in anderen Kulturkreisen überraschende und unerwartete Bedeutung haben, ergab sich, anknüpfend an meine "Elefanten im Schnee"-Arbeit, das für mich wichtigste Konzept wie von selbst: Ich wollte einer Elefantenherde eine Woche lang folgen und früh, mittags und abends ERDE aus der Spur dieser Herde graben, um so den Weg abzubilden, den dieser Elefanten in einer bestimmten Zeit in einem bestimmten Gebiet zurücklegen würden.

In Botswana hätte man das Elefantenprojekt durch ein Reisebüro organisieren können, doch das kostete pro Tag 1000 Dollar zuzüglich des Flugzeuges. Im Tempe National Park an der Grenze zu Moçambique sind die Elefanten inzwischen so aggressiv, dass sie sich durch Gewehrschüsse nicht abschrecken lassen, sondern erst recht angreifen. Zur Imire Game Ranch in Zimbabwe, wo eine Elefantenkuh mit Büffeln zusammenlebt, hatte ich schon von München aus Verbindung gesucht, aber ich konnte einfach keinen Telefonkontakt dorthin bekommen. Der Addo Elephant Park im Süden kam wegen seines Zoocharakters für mich nicht in Frage. Einzig David Mabunda, der neue Direktor des Kruger National Parks (KNP), stand meinem Projekt aufgeschlossen gegenüber. Anneliese Cianfanelli versorgte ihn mit allen Unterlagen über mein Konzept und versuchte die notwendigen Genehmigungen und Unterstützungen für das Elefantenprojekt zu erhalten. Doch die Tage vergingen und nichts passierte. Deshalb entschloss ich mich mit der Malariaprophylaxe zu beginnen und ohne weiteres Zuwarten in den Krugerpark zu fahren, um die Leute persönlich für mein Vorhaben zu begeistern. Unterwegs erreichte mich noch die Nachricht, dass Ian Whyte, der Elefantenexperte und Senior Scientist des Parks, mein Ansprechpartner sein würde. Er hatte per Fax einen bewaffneten Führer und einen Geländewagen unter Berechnung der üblichen Kosten angeboten, für eine wissenschaftliche und logistische Unterstützung durch das Parkpersonal allerdings keine Möglichkeit gesehen.

In Skukuza angekommen versuchte ich Mr. Whyte zu treffen. Dieses Unterfangen kostete mich zwei Tage, die ich zwischendurch für Ausflüge in den Park nutzte. Als ich gerade abreisen wollte, lud mich Ian Whyte telefonisch zu einer Gespräch ein, in dessen Verlauf er sich immer mehr für meiner Arbeit interessierte. Die Verhältnisse im KNP und die zur Verfügung stehende Zeit machten jedoch die Realisierung des Elefantenprojekts derzeit unmöglich. Das tat ihm nun offenbar selbst so leid, dass er mir eine Genehmigung zum Verlassen des Autos gab, obwohl das generell strikt verboten ist. Noch am gleichen Tag begann ich mit dem "Waterhole"-Projekt, bei dem ich ERDE an 12 Wasserlöchern entnahm, die in der Trockenzeit des Winters das Überleben der Tiere garantieren. Die Stellen lagen in 12 verschiedenen geologischen Gebieten des Parks in dem ich neben unzähligen Impalaantilopen und anderen Tieren, auch Elefanten, Löwen, ein Nashorn und Büffel beobachten konnte.


In den Tagen der Recherchen für das Elefantenprojekt tauchte der Name Clive Walker auf. Er ist einer der größten Elefantenexperten des südlichen Afrika, und Anneliese konnte ihn auf Grund alter Beziehungen zu Clives Frau Conita aufspüren. Clive befasst sich inzwischen ausschließlich mit Nashörnern und steht dem Rhino-Schutzgebiet Lapalala vor. Anneliese organisierte also einen Besuch dort und ich fuhr mit Luca nach Norden in die Waterberge. Wir nahmen Quartier im Kolobe Camp, dessen typisch afrikanischen grasgedeckten Rundhütten mit Badezimmern und Klimaanlage ausgestattet sind. Da wir Clive erst am nächsten Tag treffen konnten, nahmen wir die Gelegenheit zu einem so genannten "Game Drive" unter Führung eines Rangers wahr. Bei meiner ersten Begegnung mit der afrikanischen Wildnis bekam ich Giraffen, Kudus, Impalas, Affen und Warthogs zu Gesicht. Den Abend verbrachten wir allein im Camp unter afrikanischem Sternenhimmel und taten uns an einem Braai, der südafrikanischen Grillschlemmerei und einigem roten Wein gütlich.

Am nächsten Morgen brachen wir zu Clive Walkers Haus auf. In dessen Vorgarten befasste sich ein kleines, aber ganz schön großes Rhino mit einem Wasserhahn. Da sich auf unser Rufen niemand meldete öffnete Luca das Gatter des Geländes, ich folgte notgedrungen mit bedenklichen Gefühlen. Das Rhino immer im Augenwinkel behaltend überstiegen wir die Holzstammbarrikaden, die das Haus selbst sicherten, als Clive aus der Tür trat. Erschrocken über unseren "Mut" begleitete er uns über den Vorplatz und hinaus zu einem Coral. Dort begrüßte er ein anderes Nashorn, indem er ihm in die Nüstern blies und leise in diese hineinsprach. Er erzählte uns, dass dieses Black Rhino letzte Nacht über eine Entfernung von über zwei Kilometern durch Schnauben und Blasen mit einem Artgenossen in den Bergen kommuniziert hatte. Inzwischen war die "Kleine" in ein Gehege gelockt worden und Conita begrüßte uns in hervorragendem Deutsch und bat uns zum Frühstück ins Haus. Ich erklärte Clive das Elefantenprojekt, zeigte ihm die mitgebrachten TERRAGRAFIEN und Bücher und stellte ihm mein Konzept vom "Bild von der Welt" vor. Nachdem er das "RUAUMOKO"-Buch gesehen hatte, lud mich Clive spontan nach Lapalala ins Rhino Camp ein, um dort ein Projekt über Nashörner zu machen. Jetzt hatte ich die erste konkrete Arbeitsmöglichkeit für ein Projekt mit Tieren in der Hand.

Drei Wochen später, im Anschluss an das Krugerparkabenteuer, war es soweit. Das Rhino Camp erreicht man nach einer Flussdurchquerung im Allradwagen. Mitten im Busch finden sich auf Holzplattformen aufgebauten Zelte mit Bett, WC und Dusche, die durch eine offene Lounge und einen palisadenumgrenzten Boma (Grillplatz) ergänzt werden. Eine Idylle ohne Strom, geführt von Terry und Hamish Rodgers, mit dem ich am nächsten Morgen um 6 Uhr zur ERD-Gewinnung aufbrach.

Wir hatten Glück, schon um 8 Uhr sahen wir Rhinos. Der Wind stand günstig, und so konnten wir den Landrover verlassen und uns Grietjie mit ihrem Kalb Mmpeta und Stumphorn, die von Joy und ihrer älterem Tochter Godima begleitet wurde, nähern. Durch einen Busch gedeckt, konnten wir über eine Stunde lang die Gruppe beim Grasen, Säugen und Schlafen beobachten. Alle anderen Tiere hatten das Weite gesucht, auch die Rhinos waren zunächst unruhig geworden, hatten sich aber dann beruhigt, nachdem sie uns nicht erspähen konnten; Nashörner sind extrem kurzsichtig. Etwas später erhielten wir einen Funkspruch von den schwarzen Scouts, die über unser Vorhaben informiert waren. Sie riefen uns zu Punyane, einer im Gegensatz zu ihren Artgenossen freundlichen Black-Rhino-Kuh, die mit ihrem Kalb Ralachichi nahe des Weges im Busch stand. Getrennt durch einen milimeterdünnen Drahtzaun beobachteten wir uns eine Weile. Dann kam die neugierige Punyane näher und "erzählte" ihrem im Hintergrund bleibendem Sohn mit Schnauben und Blasen von uns merkwürdigen Zweibeinern, bevor sie abdrehte und im Dickicht verschwand. Wir überstiegen den Zaun und füllten Säcke mit ERDE von den Stellen an denen Punyane gegrast, gekotet und uriniert hatte. Während mir Andries, der Führer der Scouts den Sack aufhielt, legte sich Hamishs Hand sachte auf meine Schulter, die Kuh hatte sich unter dem Schutz des Blattwerks auf etwa sieben Meter genähert, um unser Treiben zu beobachten. Bis abends 6 Uhr folgenden wir den Spuren der Nashörner und entnahmen ERDE an Stellen, die durch besondere Aktivitäten der Tiere kenntlich waren. Hamish erkannte jedes Tier aus den Spuren.

Am nächsten Tag bekamen wir kein Rhino aber eine Menge Fährten zu Gesicht. Dabei kreuzte immer wieder die immer frischer werdende Spur von Derek, dem größten White-Rhino-Bullen von Lapalala, unsern Weg. Gegen Mittag rief uns Andries dann zu Dereks Spuren, die kaum älter als eine Stunde waren. Wir verließen das Auto und folgten dem Scout zu Fuß. Dabei hatten wir uns etwas vorzusehen, da sich auch Rotauge, ein Black-Rhino-Bulle, dem der Name seinem Charakter entsprechend gegeben wurde, in der Gegend aufhielt. Nach etwa einer Stunde verhielt Andries den Schritt, und wir konnten in die Augen des 15 Meter entfernten grauen Kolosses sehen. Langsam drehte er ab und spazierte davon. Wir schaufelten die letzte ERDE des LAPALALA-Projekts in den Sack, beobachtet von Derek, der sich neugierig seitwärts angeschlichen hatte.

Bevor ich abreiste, füllten wir noch je zwei große Müllsäcke mit Mist der beiden Spezies, woraus ich später "Rhino-Dung-Paper" herzustellen gedachte.

Dieses wollte ich ursprünglich selbst in der Papierwerkstatt des Art-Departments der Universität of Witwatersrand in Johannesburg machen. Das hatte mir Karel Nel angeboten, nachdem ich ihm mein TERRAGRAFIE-Konzept beschrieben und einige Bücher gezeigt hatte. Am Ende geriet ich aber unter immer größere Zeitnot. Deshalb telefonierte Vivienne Oberholzer, bei der ich mein Standquartier in Johannesburg aufgeschlagen hatte, im ganzen Land herum und fand zuguterletzt einen jungen Mann, Dan Saks, der sich in Johannesburg mit Papiermacherei befasste und das Papier für mich herstellen wollte. Drei Tage vor meiner Abreise konnte ich dann auch wirklich das Nashorn-Mist-Papier für das "LAPALALA"-Buch einpacken.

Mit Karel Nel verbrachte ich später einen wundervollem Abend in seinem erstaunlichem Haus, das eigentlich ein Museum ist und in dem man sich der Kunst in ganz besonderer Form nähern kann.


Der zweite Teil des Afrikaprojekts sollte sich mit den Schwarzen des Landes befassen. Durch Beatrix Wilhelm hatte ich eine Publikation über die Zulus in die Hand bekommen. Schon in Deutschland begann die Suche nach dessen Autor, einem Deutschen, der in Durban leben sollte. Über unbeschreibliche Irrwege stellten Cianfanellis den Kontakt zu Uli von Kapff her. Anfänglich erschien die Realisierung eines Projekts bei den Zulus leicht. Doch da ich neben dem Einverständnis der Häuptlinge auch deren Mitwirkung bei der Formulierung und Realisierung des Projekts erreichen wollte, stellte sich nach und nach heraus, dass die ERD-Entnahme doch nicht ganz so einfach zu bewerkstelligen sein würde. Uli legte sich unwahrscheinlich ins Zeug und am Ende befasste sich das KwaZulu Monument Council, eine Regierungsbehörde von KwaZulu Natal, mit meinem Projekt. Es stieß dort auf eine solche Begeisterung, dass die Herren weitere Beratungen darüber abhalten wollten. Allerdings verstrich so die Zeit.

Als in den ersten Tagen des März immer noch kein definitiver Bescheid aus Pietermaritzburg vorlag, musste ich aufbrechen. Ohne die Benutzung des kostenpflichtigen Highways genoss ich eine lange, aber schöne Fahrt über das endlose Highveld und einen wundervollen Abstieg durch die Drakensberge, um dann über die Hügel KwaZulus zum Strand des Indischen Ozeans zu gelangen. In Umhlanga hatte Uli immer noch keine Nachricht vom Council. Ein Trick von ihm brachte die Sache ins Rollen: Er erzählte den Leuten, dass ich in drei Tagen zurück nach Deutschland müsse. Am nächsten Morgen fuhren wir los, wurden in Stanger, dem Ort der Ermordung Shakas, des berühmten Zulukönigs, empfangen und weiter von einem Zuluführer nach KwaBulawayo, dem "Ort des Tötens", Shakas erstem großen Königskraal begleitet. Die Nacht verbrachte ich dann in einer Zuluhütte in Ondini, Cetswayos Kraal. Am nächsten Morgen entnahm ich ERDE aus dem ehemaligem königlichen Viehkraal. Jetzt bei Tageslicht wurde die ungeheure Ausdehnung des ehemaligen Königskraals erst richtig deutlich. Danach fuhren wir zu König Dingaans Kraal "Mgungundlovo", wo sich die Rekonstruktion der größten, je gebauten "Grashütte" mit 24 Stützpfeilern befand. Die ERDE entnahm ich auf dem Tanzplatz des Harems, wo die 500 geheirateten Frauen und 500 Damen Dingaans einst tanzten. Weiter ging die Fahrt nach Emakhosini, dem Tal der Könige. Hier sind die frühen Könige des Volkes begraben. Nach zwei Stunden Fahrt über Stock und Stein fanden wir tatsächlich das Grab von Zulu, dem Begründer der Nation. Damit konnte man nicht rechnen, denn trotz umfangreicher Recherchen war niemand zu finden, der noch wußte, wo sich das Grab befand. Ein nachhaltiges Erlebnis auch für unseren Führer Eric Buthelezi. Am Abend erreichten wir das Schlachtfeld von Isandlwana, wo die Zulu ihren letzten großen Sieg unter Cetswayo errangen. 1879 wurden hier innerhalb von zwei Stunden 1500 sich mutig wehrende, aber katastrophal geführte Engländer getötet. In Anerkennung ihres heldenhaften Kampfes schlitzten die Zulus den Toten die Bäuche auf, um den Seelen der Kämpfer das Verlassen des Körpers zu ermöglichen. Diese Geste wurde von den traumatisierten Engländern gründlich missverstanden. Bei einbrechender Dunkelheit entnahmen wir die letzte ERDE am Versteck der 14.000 Zulukrieger. Die ERDE für das schwarzafrikanische Werkteil war gewonnen. Gleichzeitig entstand die erste vollständige Fotodokumentation über die ERD-Gewinnung für ein Terragrafieprojekt durch Uli von Kapff.


Im Gegensatz zur "offiziellen" wollte ich gern noch eine kleine, intimere Arbeit mit den Zulus machen. Eine Arbeit, die die Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung und alltäglichen Verrichtungen reflektiert und an der sie selbst Anteil nehmen könnten. Uli, der seine Verlobung und Hochzeit in einem Zulukraal gehalten hatte, fragte bei der Familie dieses Kraals an. Doch der Häuptling lehnte das Ansinnen wegen der Möglichkeit der Zauberei mit dieser ERDE rundweg ab. Schließlich lud mich Barry Leitsch, ein bekannten Filmemacher in Südafrika, dessen Großvater schon vor hundert Jahren die Ansiedlung Simunye (Wir sind eins) zusammen mit einer Zulufamilie gegründet hatte, nach Simunye ein. Ich flog nach Durban, mietete einen Wagen und fuhr wieder in die grünen Hügel KwaZulus. Am Pioneer Camp stellte ich das Auto ab und stieg in einen Jeep, den man mir wegen meines Hexenschusses (dieser packte mich im Anschluss an das erste Zuluprojekt, seitdem trug ich ein Korsett um alle Arbeiten zu bewältigen zu können) geschickt hatte. Normalerweise kann man nur zu Pferd oder im Ochsenkarren Simunye erreichen. Am Eingang des Kraals wurde ich von Inkoosi Ambrose Malinga persönlich empfangen und in das Indlunkhulu Versammlungshaus geleitet. Nach dem Begrüßungszeremoniell beschrieb ich mein Weltbildprojekt und übergab ein kleines Geldgeschenk, dass für die Ausbildung der Kinder bestimmt war. Danach grub ich ERDE an sechs Stellen des Kraals, die der Chief selbst bestimmte. Mein Zuluführer schrieb die in Zulu gegebene Erläuterungen des Häuptlings getreulich in Englisch in mein Büchlein ein.

Unter der Versicherung der gegenseitigen Hochachtung verließ ich glücklich den Kraal, wurde noch im Weißendorf auf der anderen Seite des Flusses mit einem Lunch erquickt und dann zur Straße zurückgebracht. Die subtropische Hitze KwaZulus besserte den Zustand meines Rückens beträchtlich. Nach der Rückkehr konnte ich meine Arbeiten in Johannesburg korsettfrei vollenden.


Der dritte Werkteil sollte die afrikanischen Weißen zum Inhalt haben. Nach umfangreichen Recherchen wählte ich den Titel "GOLD" und wollte dafür Material von möglichst vielen verschiedenen Ebenen der Western Deep Levels Western Mine, der tiefsten Goldmine der Welt verarbeiten. Schon bald nach meiner Ankunft versuchte Vivienne Kontakt zu AngloAmerican herzustellen, der Goldfördergesellschaft, die diese Mine betreibt. Nach wochenlanger Blockierung durch eine Sekretärin wurde Gerda, die allerdings erst noch ihren Urlaub beenden musste, vom Public-Relation-Chef der Gesellschaft mit der Angelegenheit betraut. Als wir uns dann endlich zu einem Gespräch im Wolkenkratzer der Gesellschaft in Johannesburg City trafen, ließ sich Gerda für das Projekt begeistern und wollte versuchen, das gewünschte Material heraufzubringen. Die Chefs gaben das o.k., doch es dauerte. Als es endlich oben war blockierte die Security die Herausgabe und Gerda bekam trotz der Genehmigung regelrecht "Krieg" in ihrer Gesellschaft. Zu jener Zeit hatte Belgien seine Goldreserven verkauft, weswegen der Goldweltmarktpreis fiel und 10.000 Bergleute in Südafrika ihren Job verloren. Es herrschte eine ungeheurer Spannung, ein ungünstiger Zeitpunkt für dieses Kunstprojekt. Erst eine reichliche Woche vor meiner Abreise fand dann die Übergabe des goldhaltigen Breis unter fast konspirativen Umständen in einem Parkhaus statt. 10 Fässer zu je 20 kg Gewicht lud ich in meinen Golf, fuhr zu Viviennes Cottage und siebte den Mus. Am nächsten Morgen bestätigte sich mein Verdacht: Die zehn Proben sahen alle gleich aus. Das Gestein war zwar am gleichen Tag auf verschiedenen Höhen gehauen, aber vom gleichen, dem tiefsten Punkt, heraufgebracht worden. In meiner Wut und Enttäuschung nach so langer Zeit des Wartens, griff ich zum Spaten und eilte zu einer Halde der Village Main Reef Gold Mining Co. Ltd. von 1934. Dort entnahm ich verbotenerweise einige Schaufeln des leicht radioaktiven Materials, dem mit den heute möglichen Methoden noch einmal Gold zu entreißen ist. So konnte am Ende zusammen mit der von vornherein geplanten und selbst entnommenen "ERDE" aus Kromdraai, der ältesten Mine von Witwatersrand wenigstens ein Triptychon über den "White People Part" entstehen.


Ich hatte in Afrika viel Zeit durch Warten verloren, am Ende aber mehr ERDEN als je zuvor gewonnen.


München im Juni 1998