Værøy
1991
VÆRØY ist eine Insel im Nordmeer, am Südende der Lofoten, nördlich des Polarkreises.
Zwischen den Inseln Röst, VÆRØY, Mosken, Svarvane und Moskenesöya fließt der MALSTROM oder Moskenesstrømmen oder Moskenstraumen, Europas gewaltigster Gezeitenstrom.
Die Erde für dieses Projekt wurde von einem Berg der Insel und in gleichmäßigen Abständen entlang der Strandlinie entnommen - ein Ausweichen war weder möglich noch gewollt.
VÆRØY befindet sich bei 12°35' W und 67°40' N im Eismeer. Sie ist fast die südlichste bewohnte Insel der Lofoten und liegt 120 km nördlich des Polarkreises. Das WASSER und die Tücken des Malstromes oder Moskenstraumen trennt VÆRØY im Norden von den anderen Inseln.
Im Januar, wenn es ganztags dunkel ist, das Festland im Winterschlaf liegt, der Sturm die Trockengestelle der Fischer zum Einsturz bringt, kommen die Boote aus Nord und Süd herbei. Seit Jahrhunderten ziehen die Väter hinauf, um den Reichtum dieses Meeres zu ernten. Ein Abenteuer von dem die Söhne an den Küsten seit Generationen träumen, dessen Fieber alle erfasst.
Der Nordwest treibt den Dorsch, den jungen Kabeljau herbei. Er kommt aus der Gegend zwischen Nordkap, Spitzbergen und Nowaja Semlja. Der große Hochzeitszug nach Süden vereint Milliarden von Fischen, deren Ziel die warmen Wasserschichten sind, die sie vor den Lofoten zwischen kaltem Oberflächenwasser und dem warmen Golfstrom finden. Wenn die Paarungszeit vorüber ist, wendet sich der Zug wieder nach Norden und schiebt sich in den Trichter des Vestfjordes, aus dem es kein Entrinnen gibt. Dann fahren die Fischer hinaus und fangen und fangen und fangen.
Hier ist die ERDE Boden zum Stehen. Hier ist der Pfahl eingeschlagen, um das Boot zu vertäuen. Die Insel selbst ist Schiff im Meer.
Nicht das FEUER der Sonne macht das Leben möglich, das WASSER des Golfstroms wärmt das Land und die LUFT. Das WASSER nährt die Menschen, die den Sturm und die lange Nacht des Winters überstehen müssen. Sie sehen im Sommer die Sonne im Norden und sie berührt nicht einmal den Horizont. Das Licht wird durch die Wolken gedämpft, deren Regen fein die Haut wie ein Schleier umhüllt. WASSER in der LUFT. Auf dieser Insel tritt die ERDE ihre lebensspendende Gabe an das WASSER ab.
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Der Chronist Rasmus schreibt:
Die Wirbel oder Löcher des Stromes sind so tief und groß, daß, wenn ein Schiff hineingeriete, solches sinken und untergehen müßte. Der Strom würde es hinunterziehen in den Grund und unten an den scharfen Klippen in Stücke zerreißen.
Es trägt sich auch oft zu, daß wenn große Walfische dem Strom zu nahe kommen und der Strom sich ihrer bemächtigt, indem Sie nicht vermögend sind gegen ihn zu streiten, sie erschröcklich brüllen und blöken wenn sie hinuntergezogen werden.
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Ein Lofotenreisender schreibt anno 1880:
Lebertran wird hergestellt in Fässern, wo die Dorschleber zunächst in den Zustand der Fäulnis übergeht, worauf man die entstehende Ölschicht abschöpft und aufkocht, ein Verfahren, daß an Unappetitlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt.
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Der Regen im Norden ist so fein,
er umschließt den Körper wie der Schleier einer Fee,
wohltuend warm und feucht.
Man erinnert sich,
daß das Leben aus dem Wasser kommt.
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Das war der Lofot, von dem man so viel gehört hatte, ein Land im Eismeer, von dem alle Knaben der Küste träumten und nach dem sie sich sehnten. Dort wurden Heldentaten verübt, dort erlangte man Reichtum, dort fuhr man mit dem Tod um die Wette. Die Väter waren viele Jahrhunderte hindurch hinaufgezogen, manch einer war zur See umgekommen, einige kamen mit blanker Münze heim, aber die meisten blieben ihr Leben lang in Armut. Und dennoch, hierher gingen sie immer wieder, Jahr für Jahr, eine Generation nach der andern, das war das Abenteuer, hierher mußten sie.
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Måstad, verlassen
erloschene Herde
verfaulte Boote
Schafe im Laden
Gardinen im Wind
das Pfeifen der sturzfliegenden Paffins
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Der Moskenstraumen oder Moskenesstrømen oder Malstrom entsteht zwischen Ebbe und Flut.
Bei Flut kommt das Wasser vom Nordatlantik gegen die Küste.
Durch niedriges Wasser wird ein Gegenstrom verursacht. Dieser läuft entlang den Lofoten.
Wenn der Strom stärker läuft, gibt es einen größeren Widerstand wenn die Flut anwächst. Wenn der Wasserspiegel steigt, formt da Wasser einen weißen Schaum, wo die verschiedenen Strömungen sich treffen und wo das Wasser niedrig ist.
Es scheint als ob der Ozean kochen würde.
Bei Ebbe wiederholt sich das Ganze aber in umgekehrter Richtung und der weiße Schaum erscheint an anderen Plätzen.
Der Malstrom ist immer in Aktion.
Die auftretenden Kräfte variieren abhängig von Wind und der Position des Mondes. Bei Vollmond und Westwind verschlimmert sich der Strom zumStrudel.
Leute die diese See befahren kennen die Verhältnisse des Stromes und planen die Fahrt entsprechend den Bedingungen.
Der Strom ist auch für größere Fischerboote gefährlich.
Viele sind in diesem verärgerten und kochendem Meer umgekommen.
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Ich war dort
es war nicht kalt
es war Sommer
und immer hell
Ein Künstlerbuch mit 16 Original-Terragrafien von Værøy, einer Insel nördlich des Polarkreises, einer Beschreibung der umliegenden Gewässer und des Malstroms sowie einem Gedicht von Roland Heer.
Auflage 16 arabisch und 5 römisch signierte und nummerierte Exemplare.
Erschienen 1992